Was heißt Dumpstern?

In Zeiten von Hartz4 und Massenarmut ist es vielleicht nicht überraschend zu lesen, dass es Menschen in Deutschland gibt, die Ihren Bedarf an Lebensmittel durch die Inhalte von Mülltonnen decken. Doch ist “Dumpstern” nur ein Trend, losgetreten durch sozialkritische Hippies oder eine Ursache der immer weiter aufgehenden Kluft zwischen Arm und Reich? Auch wenn es gesellschaftlich sicher nicht von Vorteil ist “Kopf über” (z.B. von einem Bekannten) in der Mülltonne gesehen zu werden, ist das “Dumpstern” noch lange kein Indikator für Armut. Auch Menschen die sich mit Ihrem Einkommen eine vernünftige Ernährung leisten könnten haben das “Im-Müll-Wühlen” für sich entdeckt.

Es schließen sich über das Internet sogar ganze Netzwerke zusammen von Dumpern dessen handeln, neben dem sammeln “kostenloser” Lebensmittel, durch eine starke kritische Haltung gegenüber unserer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft geprägt ist. Um auch ein stückweit dem übertriebenen Energie und Produktionsaufwand dem der “Weg-Werf-Gedanke” bei den unzähligen sich im Müll befindlichen Lebensmitteln mit sich trägt entgegen zu wirken, bedienen “Dumper” sich aus ethischen Gründen aus dem Müll anderer Leute.

Dabei ist das sammeln verzehrbarer Lebensmitteln in fremden Mülltonnen nicht ganz ungefährlich, da Dumper sich strafrechtlich gesehen eines Diebstahls schuldig machen – denn auch Abfall kann im Zweifelsfall einem Eigentümer zugewiesen werden. Dennoch gibt es nur sehr wenige Fälle die es tatsächlich zu Ärger mit der Justiz gebracht haben. In den seltensten Fällen fordert jemand was er bereits wegwarf zurück oder hat sich ein Polizeibeamter gefunden, der deshalb eine Anzeige zu Protokoll bringt. Um dem auch weiterhin aus dem Weg zu gehen, haben Dumper Ihre eigenen Mittel, Tricks und Insiderinformationen um sich Ihre Einkaufstour zu erleichtern. Sie durchstreifen nach Einbruch der Dunkelheit die Tiefgaragen benachbarter Supermärkte, auf der Suche nach dem zum Feierabend mit frischen Artikeln befüllten Mülltonnen und erwecken mit Taschenlampe und Dunkel gehaltener Kleidung, oft den Eindruck von “Antikapitalistischen Guerillaaktivisten”. Was auch darin begründet sein mag, das sich der Großteil der Dumperszene aus Studentenkreisen verschiedener Großstädte zusammen setzt.

Verschiedenste Gruppierungen, sogar geradezu eine ganze Subkultur mit Kochbüchern, Szenebegriffen, Dokumentationen, gemeinsame Essenssammelaktionen und Zubereitung ist so entstanden. Dumpstern ist für so genannte “Freeganer” (englisch – free für „frei“ und vegan für jemanden, der keine Tierprodukte verzehrt) nur eine Möglichkeit der “Nahrungsbeschaffung wider des Kapitalismus”. Neben dem “Containern” (durchsuchen von Müllcontainern) und “Dumpster Diving” (durchsuchen von Mülltonnen nach Wertgegenständen) ist Dumpstern die am häufigsten beobachtete Form von kostenloser Nahrungsmittelbeschaffung. Auch wenn das durchsuchen einer Mülltonne meist angeekelte Blicke und Kopfschütteln bei Beobachtern von Dumpstern zur Folge hat, ist es eine demonstrative und ökologisch schlüssige Protesthaltung die ein Dumper durch sein Handeln einnimmt und vertritt. Es ist unbestreitbar, dass Konsumtempel und Supermärkte jeden Abend mehrere Tonnen genießbarer Lebensmittel entsorgen, weil eine Sortierung von z.B. angefaultem Obst oder eines Tomatennetzes wegen einer faulen Tomate unökonomisch wäre. Es müsste jemand eingestellt werden der das Netz aufschneidet, das Gemüse anschließend sortiert und erneut verpackt bzw. entsorgt. Stattdessen ist es für die Supermärkte billiger das was im Volksmund “nich mehr geht” wegzuwerfen. Dass der Verzehr des allabendlich so zahlreich entsorgten Obst, Gemüses, Konservendosen und Gebäcks gesundheitlich unbedenklich ist, spielt dabei keine Rolle. Es muss schön aussehen UND Frisch sein. So finden auch häufig einwandfreie Naturkost oder Teigwaren den Weg in den Abfalleimer. Viele Dumper setzen sich auch nach Ladenschluss mit so manchem Filialleiter auseinander um den Entsorgungsvorgang vorzubeugen, was den Vorteil mit sich bringt nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten und die Vermischung der Lebensmittel mit nicht essbarem Unrat zu vermeiden. Gerade die steigende Akzeptanz und das Verständnis für das Ernähren aus dem Müll, auch mittlerweile auf Seiten der Industrie sollten dem “einfachen” Konsumenten zu denken geben. Denn das ist auch es was der Dumpster bei dem gemeinen Beobachter verursachen will.

…das wir NACHDENKEN !!!

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