Der Möchtegern-Öko von heute
In den 70er Jahren war alles klar. Da gab es die Normalen und die Ökos. Die Ökos trugen weite Kleidung in Naturfarben, räckelten sich nackt im Gras um die Natur zu spüren und veranstalteten komische Zeremonien um ihren Körper vor dem Schmutz der Welt zu reinigen. Die Normalen hingegen waren normal und benahmen sich auch so.
Heutzutage sieht das Bild ein wenig anders aus. Auch der “normale” Verbraucher kauft heutzutage Bio-Produkte ein. Jeder Discounter führt heutzutage sein eigenes Bio-Sortiment und seit Neuestem Fair-Trade-Ware. Natürlich kosten diese Produkte bei weitem mehr als der Standart, sind ja schließlich aufwändiger produziert. Die durchschnittliche junge Mutter betritt den Supermarkt, sieht diese schön beleuchteten, perfekt aussehenden Artikel und denkt sich: “Damit sich mein Kind gesünder ernähren kann kauf ich ab sofort BIO. Natürlich ist es teurer, aber das ist es schließlich wert!” Sie nimmt die Produkte mit und hat das Gefühl für sich und die Umwelt etwas Gutes getan zu haben. Zuhause packt sie die Bananen, Mangos und den Eisbergsalat aus, dann sieht sie aus dem Fenster und denkt sich: “Hoffentlich schneit es heute nicht, ich möchte in der Kälte nicht nochmal Schneeschippen!”.
Das Problem an dieser neuen “Hochpreis-Region” Bio und Fair-Trade ist, wie wir Containerer zu genüge wissen, dass solche Produkte am Ende des Haltbarkeitsdatums nicht vergünstigt verkauft werden dürfen, da sie sonst ihren Hochpreisstandart verlieren. Darum landen vorallem diese Produkte vorzeitig und in Massen in der Tonne.
Heutzutage ist es also In “Öko” zu sein. Dabei ist es vordringlich egal ob die Produkte nun wirklich Bio sind, oder aufgrund von langen Flug- und Lagerungszeiten alles andere als das Vorgegebene.
Logischerweise sind die Ökos von damals, aus den 70er Jahren nicht ausgestorben, aber nun, da der Durschnitssverbraucher so viel bio ist wie sie vor vierzig Jahren musste natürlich etwas Neues her. Um heutzutage ein “Öko” in deren Augen zu sein ist ein halbes Vermögen von Nöten. “Eine Mietwohnung in der Stadt? Das Auto um zur Arbeit zu Fahren? Günstige Lebensmittel und nicht regional eingekauft? Schäme dich! Wie kannst du unsere Natur nur so ausbeuten?” Leider ist es für viele von uns nicht möglich ein solches Bio-Dasein zu fristen und wer die Preise des Discounter-Biosortiments kennt, weiß warum nicht.
Ich persönlich plädiere hier für den Goldenen Mittelweg. Wichtig ist nicht, dass nur BIO oder regional gekauft wird, sondern, dass das Verständnis für Lebensmittel wieder steigt. Wichtig ist, dass man sich Gedanken über die Nahrung und den Wert der Lebensmittel macht und das kann man auch mit kleinem Geldbeutel.
Wer nun noch meint, dass er Bio-Erdbeeren im Januar für 3 Euro die Schale erwerben muss und der Umwelt damit einen Gefallen tut, dem ist leider nicht mehr zu helfen.
liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen
eure Noelana

Also bei mir, was jedoch Wien ist, gibt es inzwischen einen Bauernmarkt, der wöchentlich hier ist und wirklich außerordentlich gute Produkte führt. Fisch und Fleisch ist zwar ziemlich teuer, aber das finde ich gut so. Gemüse ist erstaunlich billig, würde fast meinen billiger als im Supermarkt. Ansonst ist es unsere freie Entscheidung, im Discounter zu kaufen oder im Laden nebenan.
Die Strategie der Supermärkte ist klar. Markt leerräumen durch Billigangebote und danach den Gesamtmarkt für sich haben inklusive Preismonopol. Es gibt so gut wie keine kleinen Bäckerein mehr, alles Brot kommt vom Discounter. Also bei kleinen Läden kaufen zahlt sich vierfach aus: Nahversorger bleiben erhalten, saisional und qualitativ hochwertige Produkte, Arbeitsplätze werden geschaffen und es existiert noch sowas wie persönlicher Kontakt und soziales Treiben.
Our Choice…
was ich viel schlimmer als diese snobistische biomentalität finde, ist die tatsache, dass bei uns kleine läden aussterben. wir haben 6 discounter in 1 km umkreis – wahnsinn!!! wohin soll das führen? es gibt nicht einen bioladen bei uns im viertel. und auch sonst kein kleiner tante emma laden. dafür muss ich die öffentlichen verkehrsmittel nutzen oder ne stunde laufen.
regional ist auch schwer zu bekommen, der wochenmarkt ist eher ein blumenverkauf mit obst und gemüse vom großhändler.
hab da was gefunden, was lehrt die dinge, die wir essen, wieder schätzen zu lernen. eine echte bedarfsgemeinschaft die die bauern direkt fördert. schaut mal und lasst euch nicht von den alten bilder abschrecken. buschberghof.de/Seiten/wirtschaft.html
das geht sicher nicht überall, aber wer nicht wagt …
http://filterlos.net/featured/oko-ist-nicht-gleich-bio-ist-nicht-gleich-anti-wegwerfgesellschaft-ist-nicht-gleich-spiri/1152
Mal meine Gedanken verfaßt. Danke für die Inspiration
Es soll wohl nur heißen Winter keine derartigen Früchte in unseren Breitengraden. Obwohl genau genommen wachsen Mangos und Bananen auch im Sommer nicht bei uns.
Schön aufgezeigt ist hier das Dilemma Öko ungleich Bio ungleich Überfluß. Schön sich das Bewußtzumachen.
FL
Hallo Konstantin Konsum, woher weisst du das er es als Stereotyp meint wenn du selber zugibst es nicht zu kapieren?! Und wo siehst du hier das Stereotyp?
Gruß,
David
“… denkt sich: “Hoffentlich schneit es heute nicht, ich möchte in der Kälte nicht nochmal Schneeschippen!”-kapier ich nicht. (+ sexistisches stereotyp)
nochmal überdenken. ansonsten. eh eine kolumne.
Hey, mir gefallen deine Artikel. Kommst du auch aus der Metropolregion? Wenn ja könntest du mich ja vielleicht mal einweihen, in die Kunst des fränkischen Dumpsterns =).
Liebe Grüße!